Makenzie

Spinnspuler

Ein Geraffel

Das Innenleben eines Spinnspulers ist weniger simpel als gemeinhin angenommen. Unter den Lochlingen ist er die kleine Diva, der kleine König, der sich gern extra bitten lässt. Das kommt wohl daher, dass hier sehr aufwendige Dinge unter dem Holz verborgen sind. Zum Beispiel eine Spule, die bei geringster Wackelei während des Einsetzens, gern Reissaus nimmt. Dann springt sie mit Brimborium aus der Fassung und ward nicht mehr hineingebracht. Dann ist da noch der kleine Messingstift mit Ausfräsung - oder Schlitz (für uns Laien). In die muss das Spulenende eingefädelt werden und wehe, das sitzt nicht locker genug. Zwar kann die Spulenfeder nicht mehr raushüpfen - dafür verweigert sie dann ihren Dienst und spult einfach nicht mehr. Bis also so ein Spinnspuler-Geraffel bewältigt ist und der Lochling schön zugemacht und eingeölt ist - da ist viel Gutes-Zureden, Geduld und Spucke von nöten. Dafür ist dieser Lochling äussert begabt, seinen neuen Besitzern zuverlässig von der Hand zu gehen.


Spinnspuler in hell oder dunkel

Unser komplexester Lochling ist der Spinnspuler. Mit dem ist das so eine Sache. Seine Funktion ist sehr speziell und deshalb benimmt er sich ein wenig wie eine Diva. Er möchte gebauchpinselt werden und darf auf keinen Fall unsanft behandelt werden. Wer ihn allzu grob in die Wand bugsiert, muss mit Arbeitsverweigerung rechnen. - So sind sie - ein bisschen wie Mimosen. - Ein bisschen verstehen kann man ihn ja. Immerhin beherbergt er unter seine rauhen Holzschale eine difizile Spulentechnik. Auch beim Spinnspuler konnten wir uns nicht entscheiden, ob hell oder dunkel, also ob wir das Holz mit Bienenwachs oder Leinöl vesiegeln wollten. Wir finden beide Varianten sehr schön. Aber die grösste Herausforderung wird wohl nicht die Beschichtung, sondern zweifellos das Innenleben dieses Lochlings sein. - Wir machen uns gefasst auf lange Abende am Kamin, mit Glühwein und den letzten Zimtkeksen des Winters, um uns die Arbeit ein wenig zu versüssen.


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